Nach einer kurzen Nacht in Sihanoukville werden wir an einer Bushaltestelle abgesetzt. Irgendwann wird hier der Bus kommen, der uns in Richtung Dschungeldorf Chi-Phat bringen soll. Ein Ticket haben wir bereits gekauft. Anfangs warten wir noch geduldig auf den Plastikstühlen, nach 1 Stunde fragen wir dann aber doch nach. Ja der Bus, also das weiß man jetzt auch nicht. Eigentlich würde er ja jetzt fahren. Wir sollen warten. Das tun wir. Nach weiteren 30 Minuten kommt ein Bus vorgefahren. Dieser scheint nun der Richtige zu sein und wir steigen ein. Mit uns zusammen auch ein Chinese. Er fragt uns, wie viel wir für unser Ticket gezahlt haben. Zerknirscht sagen wir, 10$, wissen aber dass wir den doppelten Preis bezahlt haben, der eigentlich fällig wäre. Der Chinese schaut uns an uns antwortet 'Mist, ich habe 12$ bezahlt'. Das beruhigt uns etwas. Mit ein paar weiteren Touristen und vor allem vielen Kambodschanern steigen wir in den Bus.
Wir wissen, dass wir unterwegs an einer großen Brücke aussteigen müssen. Hier gibt es keine offizielle Haltestelle. Daher verfolgen wir nach ca. 1.5 Stunden Fahrtzeit den Weg über GPS. An der Brücke bitten wir den Fahrer zu halten. 'Steigen Sie hier auch aus' frage ich einen anderen Tourist? Seine weit aufgerissenen Augen und sein entsetztes 'HIER?' sind Antwort genug.
Von der Brücke aus suchen wir einen kleinen Bootsanlegesteg. Hier soll das Gemeindeboot von Chi-Phat regelmäßig fahren und uns heute mitnehmen. Wir finden es nicht und fragen ein paar Männer, die unter der Brücke Bier trinken und Billard spielen. Sie bieten uns an, uns mit dem Motorrad zu fahren. Sicherheitshalber rufen wir in Chi-Phat an. Die Managerin des Dorfes ist recht patent und sagt uns nochmal wo wir auf das Boot warten sollen. Dann reichen wir das Telefon weiter an die Männer. Nach einem kurzen Gespräch mit der Dame, sind sie sehr zuvorkommend und zeigen uns den Weg zum Boot. Vom Motorrad ist keine Rede mehr, auch wenn das mit Sicherheit auch Spaß gemacht hätte.
Nach kurzem Warten kommt das Boot. Ein kleines Holzboot mit drei kleinen Holzbänken zum Sitzen und ein noch kleinerer Motor. Der Kapitän ist ein Bub, vielleicht 14 Jahre alt. Aber er fährt uns kompetent und sicher den Fluss aufwärts in das Dorf.
Dort angekommen werden die Formalitäten geklärt. Das Dorf im Dschungel lebt überwiegend von Touristen, Touristenströme braucht man hier aber nicht erwarten. Früher mussten die Bewohner schwere und gefährliche Arbeit im Dschungel verrichten. Außerdem sind sie dem Laster von Alkohol und Betelnuss verfallen. Nachdem die Arbeit im Dschungel immer weniger wurde, musste ein anderes Konzept her. Und so sind sie heute auf den Tourismus ausgerichtet. Eine Managerin ist für die faire Verteilung der Arbeiten zuständig. Und so weißt sie auch uns einer netten jungen Frau zu, in deren Haus wir diese Nacht schlafen dürfen. Auf ihrem Roller nimmt sie erst mich dann Martin mit zu ihrem Haus. Es ist auf Stelzen gebaut, wie alle Häuser hier. Dies liegt aber eher nicht am Wasser, sondern daran, dass man im Sommer ganz wunderbar zwischen den Stelzen seine Hängematte aufhängen kann und dort den Tag in aller Ruhe verbringen kann. Außerdem steht ein großer Webstuhl bei fast allen Häusern zwischen den Stelzen - hier ist quasi das Wohnzimmer wo die Familie ihren Tag verbringt.
Uns wird das Schlafzimmer gezeigt. Vermutlich schlafen sonst die Töchter der Familie hier, alles ist in rosa gehalten und auf Hello Kitty geprägt. Wir finden's süß.
Zum Abendessen gehen wir zurück zum Gemeindehaus. Unterwegs bestaunen wir die wunderschönen Blumen in den Gärten der Dorfbewohner. Dann geht es zeitig zu Bett. Am frühen Morgen werden wir in den Dschungel fahren.






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